Die Geschichte des biblischen Buches Esther steht als Sinnbild für den Herzensschrei des jüdischen Volkes nach Erlösung. Es ist die Verkettung kleinerer Umstände und Ereignisse, die letztlich unter dem Ausdruck der Fürbitte zu einer Einheit verschmelzen. Die Antwort auf die Fürbitte ist in der Buntheit des Glasmosaiks zu finden.
So ist das Kunstwerk denn auch in drei Hauptteile gegliedert: der erste Teil wird durch die zwölf Bronzefragmente entlang der niedrigen Mauer dargestellt. Ein jedes ist ein Bruchstück des grossen Reliefs: zusammengefügt würden sie das Gesamtbild der grossen Skulptur ergeben. Sie stellen die einzelnen Umstände und Ereignisse dar, die schliesslich zum dreitägigen Fasten und Beten der Königin Esther führen. Die zwölf Bronzefragmente symbolisieren aber auch die zwölf Stämme Israels. Die schwebend wirkenden einzelnen Fragmente erwecken den Eindruck, als hätten Sie keine Beziehung zueinander - bis zur Fürbitte der Königin Esther. An diesem Punkt vereinen sie sich zu einem einheitlichen Bild.
Der zweite Teil, das Haupt-Bronzerelief, das unmittelbar beim Eingang des Pavillons an der hohen Mauer installiert ist, befasst sich im Detail mit der Person der Königin und dem Inhalt des Buches Esther. Im unteren Teil ist sie hingebungsvoll in ihrer Fürbitte dargestellt. Sie hat sich in die niedrigste, demutsvollste Position begeben; sie streckt sich Gott entgegen über drei Stufen, welche die drei Fasten- und Bettage symbolisieren.
Direkt über ihrem Kopf ist ein Stundenglas zu sehen, das darauf hinweist, dass sich all die einzelnen Umstände "für eine Zeit, wie diese" (Esther 4:14) ereignet haben.
Die hauptsächliche Motivation für Esthers Fürbitte ist der Galgen, der sozusagen aus dem Stundenglas herauswächst. Es ist der Galgen, den Haman ursprünglich für Mordechai aufstellen liess. Der Galgen symbolisiert auch die tödliche "Endlösung", die Haman für das gesamte jüdische Volk geplant hatte.
Das Stundenglas befindet sich im Zentrum von zwei Kreisen. Im äusseren Kreis, auf der linken Seite, schwebt das Szepter des Königs über den Häuptern zweier Figuren. Der einen wird Gunst erwiesen – sie ist dem Szepter zugewandt. Die andere kehrt dem Szepter den Rücken zu – sie hat des Königs Gunst verspielt. Diese Szene stellt die Ernennung von Esther zur Königin und die Verurteilung ihrer Vorgängerin, Vasthi, dar. Am vorderen Ende des Szepters sind zwei gekreuzte, grosse Weinbecher zu sehen; sie repräsentieren die böse Allianz zwischen Haman und dem König.
Oberhalb des Szepters ist, sehr detailliert und ausgeprägt, eine zum Himmel schreiende Figur in Sack und Asche dargestellt: Mordechai. Aus seiner rechten Hand fliesst eine Linie, die kreisförmig zuerst die Ernennung von Esther als Königin berührt, dann durch ihren Körper und schliesslich in der Mitte durch das Stundenglas verläuft. Diese Linie symbolisiert den starken Einfluss, den Mordechai auf all die Geschehnisse hat. Seine Gestalt wächst sozusagen aus dem Weinkelch des Königs, ein Symbol für die Gunst, die ihm Xerxes schliesslich erweist. Seine linke Hand bricht in den inneren Kreis ein und stellt seinen Einfluss dar, den er auf die Enthüllung und die Entfaltung von Esther hat. Sie wird als verhüllte Gestalt gezeigt, die sich vor den beiden Bechern neigt, nicht wissend, welche Gefahr vom Bündnis zwischen Haman und dem König ausgeht. Während sie sich langsam aufrichtet, entledigt sie sich zusehends ihrer Verschleierung. Angesichts des Galgens kehrt sie um, ringt im Verborgenen um die Entscheidung. Sie unterwirft sich, hingestreckt auf die drei Stufen, die die drei Tage des Fastens und der Fürbitte symbolisieren. In dieser Hauptdarstellung Esthers ist zu sehen, dass sie mit ihrer im Gebet nach Gott ausgestreckten Hand nicht nur die Glaswand der Eingangspartie des Gebäudes durchdringt, sondern auch alle Zeitkreise, Umstände und Verkettungen der Ereignisse. Sie führen schliesslich zum Resultat ihrer Fürbitte, das im dritten Teil der Skulptur, im farbigen Glasmosaik, zum Ausdruck gebracht wird.